Deutschland möchte sich am Krieg gegen den "Islamischen Staat (IS)" in Syrien und im Irak beteiligen. Wir schicken einen Aufklärungssatelliten auf die Umlaufbahn und sechs "Recce-Tornados" plus ein Tankflugzeug in diese Gegend, in der Bürgerkrieg und Krieg, Barbarei und Anarchie herrschen. Die Entscheidung liegt im Schwung der Ereignisse seit den Pariser Attentaten und stimmt auch mit dem Bestreben Deutschlands überein, eine größere Rolle in den Weltkrisen einzunehmen.

Die Kanzlerin hat gesagt, es müsse eine "vernünftige Balance" zwischen dem militärischen Vorgehen und dem politischen Prozess herrschen. Dazu passt auch, dass Russland und Frankreich vereinbaren, Aufklärungsdaten über IS-Stellungen auszutauschen. Von einer großen Allianz zur Befriedung Syriens und des Iraks träumen ja irgendwie alle. Es ist aber bisher immer nur das Gegenteil dessen eingetreten, worauf alle angeblich hoffen und hinarbeiten.

Alle Hoffnung aufgegeben

Syrien: Je mehr Länder sich eingemischt haben, desto schlimmer ist es gekommen. Das Leid der im Lande Gebliebenen muss unsäglich sein. Die Flüchtlinge in Jordanien und im Libanon haben alle Hoffnung aufgegeben und brechen deswegen Richtung Europa auf. Sie treffen eine pragmatische Entscheidung, denn auf wen sollten sie hoffen?

Auf Russland? Russland spielt sein eigenes Spiel, möchte Assad halten und bombardiert die turkmenischen Rebellen in der Grenzregion zur Türkei. Auf die Türkei? Die Türkei holte das russische Flugzeug vom Himmel, weil Russland die ethnische Verwandtschaft in der Region von Bayirbucak dezimierte und Assad stützt, den Erdogan zum Teufel jagen möchte. Auf Amerika? Amerika bildet Rekruten aus und bildet immer neue Rekruten aus, aber nichts ändert sich. Amerika bombardiert den Kalifen und seine Mannen seit geraumer Zeit, aber nichts ändert sich. England und Frankreich bombardieren mit, aber wer glaubt schon daran, dass sie den Unterschied machen können. Auf wen dann sollen diese Menschen in Syrien hoffen? Auf den Iran? Auf Saudi-Arabien?

Der Krieg nährt den Krieg. Der Bürgerkrieg nährt den Bürgerkrieg. Der Stellvertreterkrieg nährt den Stellvertreterkrieg. Niemand hat auch nur den blassesten Schimmer, wie die Barbarei und die Anarchie enden könnten. Kein Land, keine Institution nimmt die Verantwortung für den Frieden auf sich, weil damit Schuld und Kollateralschäden und absolute Ungewissheit über den Erfolg verbunden sind.

Militärisch ist der Krieg nicht zu gewinnen

 

Die Lehren, die wir ziehen könnten, sind ja auch nur beklagenswert. Irak und Syrien sind schwarze Löcher, seitdem der eine Diktator, Saddam Hussein, davongejagt wurde und der andere, Bashar al-Assad, sich nur noch auf den Leichenbergen halten kann, die er selbst aufgetürmt hat. Mit Hoffen, Träumen, Wünschen ist da nichts getan. Allenfalls Realpolitik, wie sie Hans Morgenthau begründete und einige US-Präsidenten anwandten, worüber wir uns rechtschaffen ereiferten, könnten einen Ausweg bieten.

Es hilft wenig, dass François Hollande den George W. spielt. Was der angerichtet hat, wissen wir; mit den Folgen haben wir zu tun. Immer neue Kombattanten, so überzeugend ihre Argumente auch klingen mögen, verbessern wenig und verschlimmern viel. Militärisch ist der Krieg, der ein Bürgerkrieg und ein Stellvertreterkrieg ist, nicht zu gewinnen. Das sagen alle und halten sich nicht daran.

Irgendwann müssen ein paar von den Ländern, die aus Eigeninteresse und Großmachtgehabe in der Region mitmischen, sich zusammensetzen und ein paar sinnvolle Überlegungen anstellen: Wer kann Syrien und den Irak befrieden, und wie können wir den Wahnsinn abstellen? Offenbar ist der Preis für den Krieg noch nicht hoch genug, noch sind nicht genügend Menschen gestorben oder auf der Flucht, der IS ist noch nicht die übergroße Gefahr, wie wir behaupten, sonst würden die Bemühungen um Befriedung doch greifen. Aber wann greifen sie endlich?

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